Quereinsteiger, Seiteneinsteiger, Direkteinsteiger - was die Unterschiede sind und wie Du den Überblick behältst

 

Die gute Nachricht: Es gibt sinnvolle Definitionen für Quer-, Seiten- und Direkteinsteiger. Weitere Begriffe werden nicht genutzt. Die schlechte Nachricht: Die Bundesländer bezeichnen die Wege in den Lehrerberuf nicht einheitlich.

 

Wortwolke zum Text über Quereinsteiger, Seiteneinsteiger, Direkteinsteiger und die Unterschiede

 

Im Folgenden stelle ich Dir die Definitionen vor, erläutere Unterschiede und die Folgen dieser Unterschiede. Unterschiedliche Medien nutzen die Begriffe unterschiedlich. Das verwirrt. Ich erkläre Dir wie Du leicht den Überblick behältst.

 

Die sinnvollen Definitionen setzen sich durch. Davon bin ich überzeugt. Die Kultusministerkonferenz verwendet sie bereits zum Teil. Spätestens wenn Du mit jemandem außerhalb der Behörden sprichst, beugt die eindeutige Sprache Missverständnissen vor.

 

Die klassische Lehrerausbildung

 

Die Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen teilt sich in zwei Abschnitte: Studium und Referendariat. Sie kennen das Studium als Lehramtsstudium. Es vermittelt fachliche Grundlagen und Theorien. Bei Erfolg schließen die Studierenden mit dem Master of Education ab. Dieser entspricht dem ersten Staatsexamen. Er berechtigt zum Eintritt in das Referendariat, auch Vorbereitungsdienst genannt.

 

Das Referendariat ist der praktische Teil der Ausbildung. Sie unterrichten eigene Klassen. Ausbilder und Studierende besuchen ihren Unterricht. Gemeinsam reflektieren sie ihr Handeln. Sie erlernen in Gruppen Werkzeuge für die Praxis. Bei Erfolg schließen sie das Referendariat mit dem zweiten Staatsexamen ab und sind damit fertig ausgebildet.

 

Übliche Verwendung von Quereinsteiger

 

Quereinsteiger bezeichnet allgemein alle Lehrkräfte, die nicht „klassisch“ ausgebildet sind. Diese Verwendung ist in den Medien häufig. Seiteneinsteiger ist in Deutschland als Oberbegriff viel weniger in Gebrauch.

In Deutschland gibt es drei verschiedene Möglichkeiten des „Quereinstiegs“: Quereinstieg im engeren Sinne, Seiten- und Direkteinstieg.

 

Enge Definition Quereinsteiger

 

Quereinsteiger im engeren Sinn arbeiten als Lehrkraft ohne Master of Education, aber mit zweitem Staatsexamen. Sie haben ein Studium mit Master oder gleichwertigem Abschluss absolviert. Sie werden zum Referendariat zugelassen und erwerben am Ende das zweite Staatsexamen. Sie unterscheiden sich im Referendariat prinzipiell nicht von den anderen Studierenden. Sie durchlaufen den 1,5- bis 2-jährigen Praxisteil der Ausbildung unter den gleichen Bedingungen gemeinsam mit den „normalen“ Studierenden.

 

Definition Seiteneinsteiger

 

Seiteneinsteiger arbeiten als Lehrkraft ohne Master of Education und ohne zweites Staatsexamen, bilden sich aber berufsbegleitend weiter. Sie durchlaufen weder das übliche Studium noch das Referendariat, d.h. sie werden ohne Vorbereitungsdienst eingestellt. Sie haben in der Regel ein Studium abgeschlossen.

 

Auf die Einstellung folgt in einigen Ländern eine Einführung über wenige Tage. Sie erwerben eine formale pädagogische Qualifikation neben der eigentlichen Arbeit, während der Umfang des Unterrichts geringer ist.

 

Definition Direkteinsteiger

 

Direkteinsteiger arbeiten als Lehrkraft ohne Master of Education, ohne zweites Staatsexamen und ohne formale pädagogische Qualifikation. Sie durchlaufen also kein Lehramtsstudium, kein Referendariat und keine Weiterbildung. Sie steigen direkt ein. Typische Tätigkeiten sind: Vertretung einzelner Stunden, Betreuung von Hausaufgaben und zeitlich begrenzte Vertretungen von Lehrkräften.

 

Unterschied Quereinsteiger Seiteneinsteiger

 

Der Unterschied zwischen Quereinstieg und Seiteneinstieg ist die formale Qualifikation: Zweites Staatsexamen oder nicht. Während Quereinsteiger das schlecht bezahlte Referendariat absolvieren, steigen Seiteneinsteiger mit vollem Gehalt ein. Im Referendariat drücken Quereinsteiger mit Studierenden die Schulbank. Im besten Fall erhalten Seiteneinsteiger eine auf Ihre Bedürfnisse angepasste Weiterbildung.

Der formale Unterschied in der Qualifikation hat eine weitreichende Folge:


Quereinsteiger werden regelhaft verbeamtet. Hier bedeutet Quereinstieg Lehramt! Sie stehen den „normalen“ Kolleginnen und Kollegen gleich. Seiteneinsteiger werden regelhaft nicht verbeamtet, sondern unbefristet eingestellt. Damit sind sie nicht gleichgestellt. Die Gehälter sind netto geringer. Sie erhalten keine Pension, sondern Rente wie andere Angestellte und die Karrieremöglichkeiten sind eingeschränkt.

In jedem Fall müssen die rechtlichen Bedingungen des jeweiligen Bundeslandes für Ihre Verbeamtung erfüllt sein. Berlin verbeamtet seine Lehrkräfte z.B. grundsätzlich nicht.

 

Unterschied Seiteneinsteiger Direkteinsteiger

 

Im Unterschied zu Seiteneinsteigern erwerben Direkteinsteiger keine formale Qualifikation. Während Seiteneinsteiger einen langfristigen Bedarf decken, sollen Direkteinsteiger nur einspringen.

 

Sprachgewirr zwischen den Bundesländern

 

Die vorgestellte Bedeutung von Quer-, Seiten- und Direkteinstieg gilt in vielen Ländern. Nicht jedes Land bietet jeden Weg in den Lehrerberuf an. Einige bieten z.B. nur den Quereinstieg oder nur den Seiteneinstieg.

Einige Länder verwenden Quereinstieg ausschließlich als Oberbegriff. Dann entspricht Seiteneinstieg dem Quereinstieg im engeren Sinne. Direkteinstieg entspricht dann dem Seiteneinstieg. Aushilfslehrkräfte erhalten keine eigene Bezeichnung. Was die Verwirrung noch verstärkt: Manchmal ist Seiteneinstieg der Oberbegriff und die Begriffe tauschen ihre Bedeutungen. Kurz gesagt, die Länder verwenden die Begriffe nicht einheitlich.

 

Wie Du den Überblick behältst

Infographik zu den drei Möglichkeiten als Quereinsteiger Lehrer zu werden.

 

Du behältst den Überblick, indem Du auf die formale pädagogische Qualifikation achtest. Es gibt drei Fälle:

  • Referendariat mit Staatsexamen
  • berufsbegleitende Weiterbildung
  • keine

Dies ist der definierende Unterschied für die Behörden unabhängig von den Begriffen. Beuge Missverständnissen in Gesprächen vor.

 

Unsere Sprachregelung

 

Bei uns gelten die Bezeichnungen wie vorgestellt aus gutem Grund. In Deutschland bestehen drei Wege für den Wechsel in den Lehrerberuf, wenn auch nicht in jedem Bundesland. Ich halte eine eindeutige sprachliche Unterscheidung für sinnvoll. Vieles trifft für alle drei Wege zu. In dem Fall verwenden wir den verbreiteten Oberbegriff Quereinsteiger. Wenn wir auf Besonderheiten oder Unterschiede eingehen, nennen wir beide Begriffe. Die verschiedenen Geschlechter berücksichtigen wir wie die Zeit.

 

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